3. Rehabilitation von Patienten mit kolorektalem Karzinom
Autor: J. Körber
Letzte Änderung:
15.10.2009
Das kolorektale Karzinom ist mittlerweile für beide Geschlechter die zweithäufigste Krebserkrankung. Jährlich erkranken über 37.000 Männer und etwa 36.000 Frauen neu (Quelle: RKI-Schätzungen für Deutschland 2004 [GEKID, RKI 2008] ).
Die multimodale Therapie umfasst neben der operativen Entfernung des Tumors ggf. eine adjuvante Chemotherapie beim Dickdarmkarzinom bzw. ggf. die vorangehende (neoadjuvante) Strahlen-/Chemotherapie beim Rektumkarzinom.
Die postoperative Funktionseinschränkung bei einem kolorektalen Karzinom richtet sich nach dem Ausmaß der Resektion und der Lokalisation. Ausgedehnte Dünndarmverluste können zu einem Kurzdarmsyndrom mit Malabsorption, Gewichtverlust, Mangelernährung und erheblichen Diarrhoen führen.
Nach kurativer Operation eines Kolonkarzinoms kommt es nicht zu Resorptionsstörungen, bei ausgedehnten Resektionen (totale oder subtotale Kolektomien) treten mangels Stuhleindickung jedoch Diarrhoen auf. Nach kontinenzerhaltenden Rektum-/Sigmaresektionen, bei denen ein Teil der Rektumampulle mitentfernt wurden, fehlen Stuhlreservoir und die Perzeption, was den imperativen Stuhldrang hervorruft. Nach Anlage eines Stomas kann es zu einem Prolaps, zu parastomalen Hernien, Stenosen, Retraktionen und Versorgungsproblemen kommen. Die unkontrollierbare Darmtätigkeit verbunden mit Geräusch- und Geruchsentwicklung führt zu psychosozialen Belastungen und Einschränkungen im beruflichen, privaten und sozialen Umfeld.
Nach adjuvanter Chemotherapie des Kolonkarzinoms können systemisch toxische Wirkungen wie Störungen bei der Nahrungsaufnahme, Diarrhoen und Knochenmarkdepressionen auftreten, die sich nach Beendigung der Behandlung wieder bessern. Unter Platinbasierten Chemotherapien kann es zu Neuropathien kommen, die die Patienten in ihrem Alltag erheblich beeinträchtigen.
Unter neoadjuvanter/adjuvanter Strahlen-Chemotherapie beim Rektumkarzinom kann es zu Schleimhautschädigungen mit folgenden Diarrhoen und persisitierenden Schleimhautdefekten kommen, die ebenfalls zu einem imperativen Stuhldrang führen.
In der Rehabilitation wird nicht nur das körperliche Leistungsdefizit behandelt, sondern auch auf die veränderte Lebenssituation des Patienten eingegangen. Ernährungsberatung und -umstellung, stuhlregulierende Maßnahmen bis zur rektalen Irrigation zum Erreichen der Kontinenz, Schulung zur eigenständigen Stomaversorgung und -pflege, Irrigation über das Stoma, Wundversorgung, Beratung bei Blasenstörung und errektiler Dysfunktion. Psychologische Hilfen bei der Krankheitsakzeptanz und Krankheitsverarbeitung sind wesentliche Bestandteil und helfen bei der beruflichen, privaten und sozialen Reintegration des Patienten.
Literatur:
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Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregsster in Deutschland e.V (GEKID), Robert Koch-Institut (RKI).
Krebs in Deutschland 2003-2004. Häufigkeiten und Trends.
Robert Koch-Institut, Berlin, 2008
[Online]
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