5. Rehabilitation von Patienten mit Bronchialkarzinom

Das Bronchialkarzinom ist durch eine hohe Inzidenz, Prävalenz und Mortalität - alleine in Deutschland mit jährlich über 40.000 Sterbefällen (30.347 Männer und 11.870 Frauen im Jahr 2005) - gekennzeichnet [Lübbe AS 2008]. Trotz Fortschritten in Diagnostik und Therapie überleben in europäischen und nordamerikanischen Ländern nur etwa 6-15% der Patienten mit Lungenkarzinom einen Zeitraum von 5 Jahren [Riesenberg H 2007]. Die moderne Tumortherapie ist multimodal, erfordert in der Regel umfangreiche diagnostische und therapeutische Maßnahmen und kann in vielen Fällen einen kurativen Therapieansatz ermöglichen. Die intensiven multimodalen Therapieansätze können zu erheblichen physischen und psychischen Schädigungen, Funktions- und Partizipationsstörungen führen, die in der ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsstörungen) der WHO analog der ICD zum Ausdruck gebracht werden können [Lübbe AS 2007]. So gehören zu den krankheits- und therapiebedingten Folgestörungen zum Beispiel Leistungsverlust, Dyspnoe bei geringer Belastung, Fatigue, Unruhezustände, polyneuropathische Beschwerden, Postthorakotomiesyndrom, etc. mit der Folge einer reduzierten Lebensqualität und Teilhabe an sozialen Aktivitäten.

Sowohl ambulant durchgeführte als auch stationäre pneumologische Rehabilitationsmaßnahmen sind an einem ganzheitlichen Rehabilitationskonzept einschließlich eines edukativen Anteils und einer sozialmedizinischen Beurteilung zur Wiederherstellung verloren gegangener Funktionen orientiert. Nach den qualitativen Vorgaben der Träger muss Rehabilitation ein umfassendes, rehabilitationsspezifisches, interdisziplinäres Therapieangebot beinhalten, das anhand der individuellen Situation des Rehabilitanden auf die entsprechenden physischen, psychischen und sozialen Komponenten abzielt. Damit wird dem Gesetzesanspruch "Reha vor Rente" und "Reha vor Pflege" Geltung verschafft.

Die wesentliche Behandlungselemente der pneumologischen Rehabilitation umfassen ärztliche Beratung und Betreuung, psychologische Betreuung (Einzel-/Gruppenbetreuung, Psychotherapie einschließlich Entspannungstherapie), medikamentöse Therapie, Gesundheitsbildung / Gesundheitstraining, strukturierte Raucherentwöhnung, medizinische Trainingstherapie (Ausdauer, Kraft, Koordination, Beweglichkeit), Atemmuskeltraining / Atemtherapie, Ergotherapie, Ernährungsberatung, sozialmedizinische Beurteilung / Sozialberatung, Beratung hinsichtlich weiterführender Maßnahmen (u.a. Anregung von berufsfördernden Leistungen, Wohnraumgestaltung), Initiierung von Nachsorgemaßnahmen (u.a. ambulante Lungensportgruppen, Fortführung der Raucherentwöhnung, Gesundheits- und Krankenpflege).

Aufgrund der verfügbaren Daten aus der Literatur sollte eine Anschlussheilbehandlung grundsätzlich allen Patienten angeboten und empfohlen werden.
Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die richtige Klinik mit nachweisbaren pneumologischen und onkologischen Kompetenzen vor Ort und für das kardiopulmonale System entsprechende Behandlungsformen, wie Atemtherapie, Lungensport etc. vorhält und anbietet. Ein standardisiertes, aerobes Ausdauertraining im Rahmen der stationären onkologischen Rehabilitation verbessert sowohl physiologische als auch psychologische Parameter nach Therapie bei Patienten mit Lungenkrebs. Die Rehabilitation wird effektiver, wenn bereits im akuten Setting mit einzelnen rehabilitativen Maßnahmen begonnen wird, eine enge Verzahnung zwischen Tumorzentrum und Rehaeinheit existiert und die Nachsorgekonzepte psycho-onkologische Betreuung und Elemente der Rehabilitation integrieren.

Literatur: