6. Die Rehabilitation von Patienten mit Tumoren des männlichen Genitale

Rehabilitation bei Patienten mit Prostatakarzinom

Das Prostatakarzinom ist mit über 40.000 Neuerkrankungen im Jahr die häufigste Krebserkrankung des Mannes in Deutschland und nimmt in den letzten Jahren kontinuierlich an Häufigkeit zu.

Die Funktionseinschränkungen und Einschränkungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität nach Behandlung des Prostatakarzinoms sind insbesondere vom Stadium der Erkrankung und deren Therapie abhängig. Nach radikaler Prostatektomie sind Inkontinenz und sexuelle Funktionsstörungen häufiger, während nach externer Strahlentherapie mehr Darmsymptomatik und Blasenreizung auftreten.
Wesentliche Funktionsstörungen sind neben direkten Operationsfolgen (Wundheilungsstörungen, Lymphozele, Harnverhalt, Harnstauung) Strahlentherapiefolgen (Zystitis, Proktitis, Lymphödem), Harninkontinenz, Folgeerscheinungen zytostatischer Chemotherapie (Polyneuropathie, Myelosuppression), sexuelle Funktionsstörungen (erektile Dysfunktion) und posttherapeutische Schmerzsyndrome.
Seelisch fühlen sich die Patienten belastet, haben Probleme mit der Krankheitsverarbeitung, Depressionen bzw. reaktive depressive Verstimmungen, posttraumatische Belastungsstörung, Rezidivängste, Schlafstörungen und letztendlich partnerschaftliche Probleme.
Dies führt zu einer Verminderung der körperlichen Belastbarkeit, Einschränkung der persönlichen Aktivität (durch die Inkontinenz) und zum sozialen Rückzug wie auch zu Problemen bei der beruflichen Wiedereingliederung.

Die urologische Funktionsdiagnostik schließt Miktionsprotokoll, Ein-Stunden-PAD-Test nach ICS, Restharnbestimmung, Uroflowmetrie, Endosonographie, ggf. Zystoskopie und Abklärung sexueller Funktionsstörungen ein. Die Diagnostik erfolgt am Anfang und Ende der Rehabilitation mit Angaben über den Grad des Rehabilitationserfolgs in Bezug auf die Rehabilitationsziele.

Schwerpunkt der therapeutischen Maßnahmen ist nach Prostatektomie die Behandlung einer noch bestehenden postoperativen Harninkontinenz. Ein frühzeitig eingeleitetes ganzheitliches Kontinenztraining durch spezielle ausgebildete Physiotherapeuten führt in der Regel nach wenigen Wochen zu einer deutlichen Funktionsverbesserung. Das Kontinenztrainig kann unterstützt werden durch elektromyographisches Biofeedback bzw. Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur, ergänzend kann eine gezielte Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur durch Vibrationstraining erfolgen.

Die Beratung über sexuelle Funktionseinschränkungen und ihre Behandlung ist obligatorisch. Bei nervschonender Operation kann durch eine frühzeitige Behandlung mit Phosphodiesterasehemmern eine signifikante Besserung der erektilen Funktion nachgewiesen werden.

Prostatakarzinompatienten, die eine hormonablative Therapie erhalten, leiden häufig unter Hormonentzugsbeschwerden. In diesen Fällen erfolgt eine ganzheitliche Behandlung mit naturheilkundlichen Verfahren zur vasomotorischen Stabilisierung, gezielte Physiotherapie zur Osteoporoseprophylaxe und Beratung zur medikamentösen Therapie. Bei nachgewiesenem Lymphödem wird manuelle Lymphdrainage sowie lymphologischer Kompressionsverband, ggf. mit Unterstützung durch lymphologisch-medizinische Kompressionsbestrumpfung und Entstauungsgymnastik durchgeführt. Von besonderer Bedeutung ist die psychoonkologische Begleitung durch Einzelgespräche, Gruppengespräche und kreative Therapiemaßnahmen.

Literatur: