Autor: H.H. Bartsch
Letzte Änderung:
15.10.2009
Rehabilitation nach hämatologischer Stammzelltransplantation (HSCT)
Eine HSCT schließt sich der intensiven chemotherapeutischen Behandlung z.B. einer malignen Blut- oder Lymphomerkrankung an. Die HSCT dient einerseits der Wiederherstellung einer funktionsfähigen Hämatopoese, kann aber auch selbst Effekte gegen die zugrunde liegende Systemerkrankung haben. Zu unterscheiden ist zwischen der autologen (eigenen Stammzellen) und allogenen (fremden Stammzellen) Transplantation. Im letzteren Fall ist bei einem verwandten Spender von einer familiär-allogenen Transplantation, bei einem nicht verwandten Spender von einer fremd-allogenen Transplantation die Rede.
Inzwischen werden im Vergleich zu früher die hämatologischen Stammzellen mittels technischer Verfahren (Cytapheresen) immer häufiger aus dem peripheren Blut gewonnen. Durch die Behandlungsoption einer HSCT wurde für einen Teil der Leukämie- und Lymphompatienten erstmals eine Heilungschance eröffnet. Ihre Durchführung erfordert ein hohes Maß an medizinischen, hämatologischen und immunologischen Kenntnissen.
Der Rehabilitationsbedarf richtet sich nach Art und Stadium der Grunderkrankung, den körperlichen Folgestörungen, dem Bedarf an Diagnostik und der medikamentösen Behandlung sowie der individuellen sozialen und beruflichen Situation des Patienten.
Starre Indikationskriterien sind nicht sinnvoll. Für manche Patienten stellt eine stationäre Rehabilitation mit ihren besonderen räumlichen und menschlichen Rahmenbedingungen eine sinnvolle und notwendige Zwischenstufe vor der Entlassung ins häusliche Milieu dar. Die Indikation zur Rehabilitation nach HSCT richtet sich nach den objektiven Rehabilitationsproblemen und den subjektiven Präferenzen des Patienten. Voraussetzung zur Klärung der Rehabilitationsbedürftigkeit ist:
Die Frage der Indikation einer Rehabilitation nach HSCT muss wiederholt geprüft werden, sowohl in der Intermediärphase, als auch in der darauf folgenden Spätphase.
Unterschieden werden somatische und psychosoziale Problemfelder nach HSCT. Typische Probleme sind Schwäche der Muskulatur, Osteoporose, Hauttrockenheit, Hautpigmentierungsstörungen, Trockenheit der Augen und der Mundschleimhaut, weitere Schleimhautschäden, Durchfälle, Einschränkungen der Lungenfunktion; darüber hinaus weitere Probleme im Bereich der Nieren und des Harntraktes, Infektionsfolgen und hormonelle Störungen, wie eine Unterfunktion der Schilddrüse, ein Diabetes, bzw. die Folgen einer geminderten Produktion von Sexualhormonen. Langfristig haben die Patienten ein höheres Risiko an einem Zweitmalignom zu erkranken. Die hier aufgeführte Liste ist keineswegs vollständig, soll aber einen Eindruck vermitteln, wie umfassend eine solch intensive Behandlung in die körperliche Integrität eingreift.
Typische psychosoziale Probleme der Rehabilitation nach HSCT sind emotionale Folgen wie Angst, Depression, Verunsicherung, Erschöpfung und Regression, oder wie erwähnt, neuropsychologische Defizite wie Minderung von Konzentration, Gedächtnis- oder abstraktem Vorstellungsvermögen. Die Erkrankung und die damit verbundene Therapie greift tief in das Rollengefüge und soziale Netz der Patienten ein, mit gravierenden Folgen für Familie und Beruf.
Die Fülle der aufgeführten, möglichen Probleme nach HSCT macht deutlich, dass zu Beginn der Rehabilitation eine gründliche Erfassung der rehabilitationsrelevanten Probleme steht, auf deren Grundlage der Therapieplan entwickelt wird. Rehabilitation ist eine interdisziplinäre Aufgabe unter Einbeziehung unterschiedlichster Berufsgruppen (Mediziner, Pflege, Psychologie, Krankengymnastik und Sporttherapie, Diätberatung, Sozialberatung und Seelsorge).
Eine umfassende Darstellung der transplantationsbedingten Probleme und insbesondere die Möglichkeiten in der Rehabilitation sind in dem Buch "Hämatopoetische Stammzelltransplantation - Neue Konzepte in der Rehabilitation und Nachsorge transplantierter Patienten" (herausgegeben von H.H. Bartsch, J.Finke, A. Mumm (Karger Verlag Basel-Freiburg-Berlin 2001) dargestellt.