9. Rehabilitation von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren

Die Zahl der bösartigen Neuerkrankungen des Kehlkopfes erhöht sich seit den 90er-Jahren stetig und macht ca. 25 bis 30% aller Kopf- und Hals-Tumoren aus. Damit sind Kehlkopftumoren die häufigsten bösartigen Tumoren des oberen Aerodigestivtraktes und die zweithäufigsten Tumoren der Atemwege. Ziel ist die Erhaltung und Wiederherstellung der Lebensqualität tumorkranker Patienten. Darunter verstehen wir die verschiedenen Aspekte des physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens.

Bei Patienten mit Tumoren des Kehlkopfes ist trotz Entwicklung neuer kombinierter Behandlungsmethoden oft eine Teilentfernung oder sogar Totalentfernung des Kehlkopfes nicht vermeidbar. Entsprechend der Funktion der anatomischen Unterregionen des Larynx verursachen die Tumoren ganz unterschiedliche Symptome wie Schmerzen, Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Atembeschwerden, welche auch erst durch eine Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie entstehen oder verstärkt werden. Dazu kann eine Chemo- und Radiotherapie noch eine schmerzhafte Entzündung der Mundschleimhäute (Mukositis, Mikose), eine störende Mundtrockenheit sowie Geschmacks- und Geruchsverlust und Wundheilungsstörungen hervorrufen.

Bei dem komplexen Beschwerdebild, das die Kopf- und Halstumoren zeigen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen spezialisierten Fachärzten (HNO-Ärzte sowie Onkologen), Schmerztherapeuten, Wund-, Pflege- und Stomatherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten, Ernährungstherapeuten und Psychologen notwendig. Dabei ist die Zielsetzung, neben einer Verbesserung des allgemeinen Zustandes des Patienten, eine Wiederherstellung der verloren gegangenen Funktionen oder Erlernen kompensatorischer Fähigkeiten sowie Linderung der allgemeinen Beschwerden des Patienten und Stabilisierung seines sozialen und psychologischen Zustandes.

Zur Diagnostik ist neben den üblichen allgemeinen HNO-Untersuchungsverfahren (Inspektion von Schleimhäuten im Mund-Rachen- und Nasenraum, Untersuchung der Ohren mittels Mikroskop, Palpation der Halslymphknoten, neurologische Untersuchung der Hirnnerven) eine endoskopische Untersuchung mit flexiblen und starren Endoskopen, Sonografie, Audiometrie, die Durchführung von Riech- und Geschmackstest erforderlich, um therapeutische Konsequezen daraus abzuleiten. Die Möglichkeit operativer Eingriffe wie Probeentnahmen aus tumorverdächtigen Arealen sowie Stimmprothesenwechsel (Provox-Wechsel), Abszess-Spaltungen sowie Nekroseabtragungen sind wünschenswert.

Die zentrale Aufgabe kommt der Logopädie bei Patienten mit Kehlkopftumoren zur Verbesserung der Sprach- und Schluckfunktion zu. Eine soziale Reintegration ist durch eine Verbesserung der kommunikativen Fähigkeiten deutlich einfacher.
Lymphdrainage bei massiven Ödemen kann eine deutliche Linderung der Beschwerden und Verbesserung der Kau- und Sprachfunktion bewirken. Spezielle Bewegungseinschränkungen im Schulter-Nacken-Bereich können durch manuelle und Physiotherapie gebessert werden.
Die Therapiefolgen wie Mundtrockenheit und Mukositis können durch spezielle Therapiekonzepte gelindert werden. Zur Verbesserung der Ernährungssituation nach massivem Gewichtsverlust sollten neben der intensiven oralen Ernährungsschulung auch die Möglichkeit der enteralen (PEG) und parenteralen Ernährung gegeben sein.

Die Mitbetreuung der Patienten durch Psychologen und Sozialarbeiter hilft den Patienten und Angehörigen bei der Krankheitsakzeptanz und erleichtert die Rückkehr in den Alltag.

Literatur: