ASORS-Laufzettel "Überweisung / Konsil vor antiresorptiver Therapie des Knochens (Bisphosphonate, Denosumab)"

Die Aktualisierung und redaktionelle Überarbeitung des patientenbezogenen Laufzettels "Überweisung / Konsil vor antiresorptiver -Therapie" trägt der Tatsache Rechnung, dass neben den seit vielen Jahren klinisch etablierten Bisphosphonaten der monoklonale Antikörper Denosumab in der Indikation antiresorptive Knochentherapie eingesetzt wird. Die Zulassungsstudien des Denosumab haben bei Patienten mit onkologischer Grunderkrankung ähnliche Ereignisraten an Kiefernekrosen (ONJ) wie Zoledronat gezeigt. Deshalb profitieren auch diese Patienten von einer peritherapeutischen Betreuung der Mundhöhle. Die konsequente Einhaltung der Prophylaxe kann die ONJ-Rate senken (Literatur siehe S3-Leitline unten).

Da die aktuellere Literatur außerdem darauf verweist, dass Angiogenesehemmer (insbesondere Bevacizumab) sowohl mit einer Steigerung des ONJ-Risikos bei Bisphosphonat-Medikation, als auch mit einer niedrigen Prävalenz an ONJ-Ereignissen unter alleiniger Medikation einhergehen, wurde auch diese Substanzgruppe in den Laufzettel aufgenommen (Literatur siehe S3-Leitline unten).

Die grundsätzliche Intention des Laufzettels hat sich seit der Inauguration 2007 nicht gewandelt und es sei diesbezüglich auf den unten stehenden Text verwiesen.

Der ASORS-Laufzettel ist in die Empfehlungen der S3-Leitlinie "Bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrose" (http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/007-091.html) aufgenommen worden.

Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Wiesbaden
Im Auftrag der ASORS
Juni 2012

Begleittext zum ersten Laufzettel 2007

Stand: 14.12.2007

Der patientenbezogene Laufzettel "Überweisung / Konsil vor Bisphosphonat-Therapie" (PDF-Datei) trägt der Tatsache Rechnung, dass mit Literatur-basierten Inzidenz-Werten von 3 bis >10% bei onkologischen Patienten-Kollektiven eine Bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrose (BP-ONJ) auftritt.

Wichtig ist dabei Zweierlei:

  1. Diese klinisch relevanten Inzidenzzahlen dürfen nicht auf Patienten-Kollektive mit niedrigerem Risikoprofil (z.B. Osteoporose mit oraler BP-Medikation) übertragen werden.
  2. Die notwendigen Prophylaxe- und Betreuungsmaßnahmen in der Mundhöhle, zur Vermeidung lokaler Auslöser der BP-ONJ, müssen sich an dem individuellen Risikoprofil orientieren. Nur so können Über- und Unter-Therapien vermieden werden.

Die hierfür notwendige interdisziplinäre Kommunikation zwischen BP-Verordnenden einerseits und in der Prophylaxe und Praevention eingebundenen Zahnärzten bzw. Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen andererseits soll durch den Laufzettel nachhaltig verbessert, aber auch vereinfacht werden.

Folgende wissenschaftliche Gesellschaften, Arbeitsgemeinschaften und Verbände wurden in das Konsensus-Verfahren eingebunden:

Gesellschaft o.ä. Kürzel
Arbeitskreis Supportive Maßnahmen in der Onkologie (federführend) ASO
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF
Deutsche Krebsgesellschaft DKG
Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie AGO
Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie AIO
Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie AUO
Arbeitsgemeinschaft Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgische Onkologie AHMO
Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie ARO
Arbeitsgemeinschaft Rehabilitation, Nachsorge und Sozialmedizin ARNS
Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie DGHO
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGGG
Deutsche Gesellschaft für Urologie DGU
DGU-Arbeitskreis Onkologie  
Deutsche Gesellschaft für Osteologie DGO
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie DGOOC
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie, Medizinische Physik und Strahlenbiologie DEGRO
Arbeitsgemeinschaft Nebenwirkungen und Supportive Therapie AG NW-SUPPO
Deutschen Gesellschaft für Zahn-Mund-Kieferheilkunde DGZMK
Arbeitsgemeinschaft Kieferchirurgie AG Ki
Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie DGMKG
Berufsverband Deutscher Oralchirurgen BDO
Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung DGZ
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie DGP
Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde DGZPW
Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin ÄZQ
Ausschuss Qualität in der Zahnmedizin der Bundeszahnärztekammer  
Zahnärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung ZZQ

Ähnlich einem Delphi-Verfahren im Rahmen eines Leitlinien-Projektes, wurden zwei Durchläufe mittels E-Mail-Rundlauf und anonymisierter Textanpassung durch den von der ASO beauftragten Autor vorgenommen. Alle Textänderungen wurden im starken Konsens (Zustimmung durch mehr als 95% der Beteiligten) verabschiedet.

Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Wiesbaden
im Auftrag der ASO,
Dezember 2007